FAZ 10.03.2026
18:10 Uhr

Liveblog Irankrieg: „Passen Sie auf, dass Sie nicht selbst vernichtet werden“


Iran droht Trump +++ Witkoff: Russland teilt keine Geheimdienstinformationen mit Iran +++ Wadephul in Israel +++ alle Entwicklungen im Liveblog

Liveblog Irankrieg: „Passen Sie auf, dass Sie nicht selbst vernichtet werden“

Satellitenstation in Israel von Hisbollah-Rakete getroffenNach israelischen Medienberichten hat eine aus Libanon abgefeuerte Rakete eine Satellitenstation tief im Inneren Israels getroffen. Der TV-Sender N12 veröffentlichte ein dramatisches Dashcam-Video, das den Moment des Einschlags bei dem Angriff am Montag zeigt. Den Berichten zufolge wurde eine Station des europäischen Satellitenbetreibers SES in Emek Haela in der Nähe der Stadt Beit Schemesch westlich von Jerusalem getroffen. Die libanesische Hizbullah-Miliz hatte den Angriff am Montag für sich reklamiert. Die Satellitenstation gehöre zu einer Cyber-Abteilung der Armee, teilte die proiranische Gruppierung mit. Laut israelischen Medien handelt es sich dagegen um eine zivile, kommerzielle Einrichtung. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen. Die Satellitenstation liegt gut 160 Kilometer Luftlinie von der libanesischen Grenze entfernt. Dies wäre ein zielgenauer Treffer, der ungewöhnlich tief im Inneren Israels liegt. 

Israels Präsident Herzog verteidigt Irankrieg und dankt Kanzler MerzIsraels Präsident Isaac Herzog hat das militärische Vorgehen seines Landes gegen Iran verteidigt. „Die Iraner sind diejenigen, die überall in der Region und in der Welt Chaos und Terror verbreiten“, sagte er der „Bild“-Zeitung am Dienstag. Es gehe nun darum, diese Bedrohung zu beseitigen. Einen konkreten Zeitplan für den Krieg nannte er nicht.Auch den Beschuss iranischer Ölanlagen verteidigte Herzog gegen internationale Kritik ‒ etwa von den Vereinten Nationen, die vor den gesundheitlichen und ökologischen Folgen warnen. Es sei richtig, dieses Öl der dortigen „Kriegsmaschinerie“ zu entziehen, so das israelische Staatsoberhaupt. Die Vorräte würden vom iranischen Regime außerdem zur Finanzierung von Terror-Operationen genutzt. Dies müsse unterbunden werden.Herzog bedankte sich bei Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) dafür, dass dieser in schwierigen Zeiten an der Seite Israels und der USA stehe. Mit Blick auf jüngste Proteste in Deutschland ‒ nicht zuletzt gegen Israels Militäreinsatz im Gazastreifen ‒ sprach Herzog hingegen von Heuchelei: „Sie hätten vor den iranischen Botschaften auf der ganzen Welt demonstrieren sollen, und sie hätten so laut wie möglich sein müssen.“ 

Trump: Möglicherweise platzierte Minen sofort entfernenUS-Präsident Donald Trump fordert den Iran auf, keine Minen in der Straße von Hormus zu platzieren. Die USA hätten zwar keine Berichte, wonach der Iran dies getan habe, erklärt Trump in seinem Online-Dienst Truth Social. Sollte der Iran aber dennoch „aus irgendeinem Grund“ Minen in der Meerenge ausgelegt haben, so müsse er diese sofort entfernen. Sollte dies nicht unverzüglich geschehen, „wird dies für den Iran militärische Konsequenzen in ​einem bisher nie dagewesenen Ausmaß haben“. Sollten die Iraner hingegen „entfernen, was womöglich platziert wurde“, wäre das „ein großer Schritt in die richtige Richtung“. 

US-Regierung: Mehr als 5000 Ziele in Iran getroffenDie USA haben nach Angaben des Weißen Hauses mittlerweile mehr als 5000 Ziele in Iran attackiert. Das teilte die Sprecherin der US-Regierung, Karoline Leavitt, in Washington mit. Die ballistischen Raketenangriffe Irans seien seit Kriegsbeginn dagegen um mehr als 90 Prozent zurückgegangen und die Drohnenangriffe um etwa 85 Prozent. „Die amerikanischen Soldaten gewinnen diesen wichtigen Kampf noch schneller als wir erwartet haben“, sagte Leavitt.Zudem kämen die USA bei ihrem Kriegsziel voran, die iranische Marine zu zerstören. „Wir haben mehr als 50 iranische Marineschiffe zerstört, darunter ein großes Drohnenträgerschiff.“ 

Parlamentspräsident: Iran will keine WaffenruheIran will im Krieg gegen Israel und die USA nach den Worten von Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf keine Waffenruhe. „Wir streben natürlich keine Waffenruhe an“, erklärte Ghalibaf am Dienstag auf Englisch im Onlinedienst X: „Wir glauben, dass der Aggressor bestraft und ihm eine Lektion erteilt werden muss, die ihn von weiteren Angriffen auf den Iran abhalten wird.“US-Präsident Donald Trump hatte am Vortag erstmals ein mögliches Ende des Krieges angedeutet. Dieser sei „so gut wie“ beendet, sagte er dem Sender CBS. Der US-Präsident begründete dies mit der militärischen Schwächung Irans durch die USA und Israel. Ob und wann die Vereinigten Staaten und Israel ihre Luftangriffe auf die Islamische Republik einstellen könnten, sagte Trump nicht. 

Pentagon: Rund 140 verletzte US-Soldaten im IrankriegIm seit anderthalb Wochen andauernden Irankrieg sind nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums bislang etwa 140 US-Soldaten verletzt worden. „Die überwiegende Mehrheit dieser Verletzungen war leicht und 108 Soldaten sind bereits wieder im Dienst“, erklärte Pentagon-Sprecher Sean Parnell am Dienstag. Acht Soldaten seien schwer verletzt, sie erhielten die bestmögliche medizinische Versorgung. Weitere sieben US-Soldaten wurden nach früheren Angaben des US-Militärs seit Kriegsbeginn getötet. 

UN-Menschenrechtskommissar Türk warnt vor „Auge-um-Auge-Dynamik“ im IrankriegUN-Menschenrechtskommissar Volker Türk hat sich angesichts einer „offensichtlichen Auge-um-Auge-Dynamik“ im Irankrieg alarmiert gezeigt und vor den Auswirkungen des Konflikts auf die Zivilbevölkerung gewarnt. Türk erklärte am Dienstag, dass „gemäß Kriegsrecht Zivilisten und zivile Infrastruktur unter allen Umständen geschützt werden müssen“. „Alle Parteien“ müssten sich an die Vorgaben halten; anderenfalls müssten sie zur Rechenschaft gezogen werden. Türk ergänzte: „Die Welt schaut zu.“Der UN-Menschenrechtskommissar verwies unter anderem auf Angriffe auf eine Meerwasserentsalzungsanlage und Treibstoffanlagen in Iran, die Brände auslösten und offenbar die Wasserversorgung für Dutzende Dörfer unterbrachen. Dies habe Warnungen vor gesundheitsschädlichen Niederschlägen nach sich gezogen. Diese seien auch eine Gefahr für die Umwelt.Türk führte auch die de-facto-Blockade der für die internationale Schifffahrt wichtigen Straße von Hormus an, die schwerwiegende Folgen für die Versorgung von Menschen mit Energie, Nahrungsmitteln und Düngemitteln in der Region und darüber hinaus habe. 

Weißes Haus: Bisher kein Tanker durch Straße von Hormus eskortiertMit einem unzutreffenden Tweet über angeblich erfolgreichen Geleitschutz der US-Marine für einen Öltanker durch die Straße von Hormus hat der 61-Jährige die weltweiten Ölpreise am Dienstag vorübergehend auf Talfahrt geschickt. Das Dementi folgte prompt. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, stellte am Dienstag in Washington klar, die US-Marine habe „bislang keinen Tanker oder ein anderes Schiff eskortiert“. Leavitt betonte, sie habe noch keine Gelegenheit gehabt, mit Wright zu sprechen. Geleitschutz für Tanker bleibe aber eine Option. Präsident Donald Trump habe angekündigt, dass er diese „bei Bedarf zum geeigneten Zeitpunkt auf jeden Fall nutzen“ werde.Die iranischen Revolutionsgarden erklärten, kein US-Schiff habe es gewagt, sich der Meerenge zu nähern. Die Ölpreise hatten nach Wrights Tweet deutlich nachgegeben. 

Verwirrung nach X-Beitrag von US-EnergieministerIm Irankrieg hat die US-Marine laut dem US-Energieminister Chris Wright erstmals einen Öltanker durch die Straße von Hormus geleitet. Die Streitkräfte hätten den Tanker erfolgreich eskortiert, schrieb Wright am Dienstag auf der Plattform X. Die Ölpreise gaben nach der Bekanntgabe deutlich nach. In einem Video kündigte Wright an, weitere Schiffe würden folgen. Damit erfülle Präsident Donald Trump sein Versprechen, die globale Energieversorgung während des Militäreinsatzes gegen Iran zu gewährleisten, schrieb der Minister. Jedoch löschte Wright später den Eintrag auf X. Warum Wright den Post entfernt hat, blieb zunächst nicht klar.  Die iranischen Revolutionsgarden erklärten, kein US-Schiff habe es gewagt, sich der Meerenge zu nähern. 

Putin telefoniert mit Irans PräsidentKremlchef Wladimir Putin spricht sich für ein schnelles Ende des Irankriegs aus und setzt auf eine politische Lösung des Konflikts. Das habe er in einem erneuten Telefonat mit dem iranischen Präsidenten Massud Peseschkian deutlich gemacht, teilte der Pressedienst des Kremls mit. Peseschkian habe Russland für die Unterstützung und insbesondere die humanitäre Hilfe gedankt.Putin und Peseschkian hatten bereits am Freitag telefoniert. Der Kremlchef sprach außerdem am Montag auch mit US-Präsident Trump unter anderem über den Irankrieg. 

Britisches Kriegsschiff entsandtDas britische Kriegsschiff „HMS Dragon“ sticht in Richtung östliches Mittelmeer in See. Der Einsatz erfolgt gut eine Woche nach einem Drohnenangriff auf den britischen Luftwaffenstützpunkt Akrotiri auf Zypern im Zuge des Irankriegs. Am 1. März war ​die Basis von einer im Iran hergestellten Drohne getroffen worden, die mutmaßlich aus Libanon oder dem Irak kam. Die britische Regierung wurde zunächst kritisiert, nicht schnell genug Unterstützung in die Region entsandt zu haben.  

Witkoff: Können Russen beim Wort nehmenRussische Vertreter haben US-Präsident Donald Trump nach Darstellung des Sondergesandten Steve Witkoff versichert, keine Geheimdienstinformationen mit dem Iran zu teilen. „Wir können sie bei ihrem Wort nehmen“, sagte Witkoff in einem Gespräch mit dem US-Sender CNBC und fügte hinzu: „Hoffen wir, dass sie tatsächlich keine Informationen teilen.“ Ihm zufolge hatten die Russen in einem Telefongespräch mit Trump bekräftigt, keine Informationen weiterzugeben.Vergangene Woche hatten US-Medien berichtet, Russland liefere dem Iran Informationen über US-Streitkräfte und mögliche Ziele im Nahen Osten. Dabei versorge der Kreml Teheran mit Standortangaben und Bewegungsdaten von amerikanischen Truppen, Schiffen und Flugzeugen, berichteten der US-Sender CNN und die „Washington Post“ unter Berufung auf Personen, die mit US-Geheimdienstberichten vertraut seien. CNN zufolge sind die meisten weitergegebenen Informationen Bilder, die mit modernen Satelliten Moskaus angefertigt wurden. Die US-Regierung dementierte die Berichte nicht. 

30 Menschen in Iran wegen Spionageverdachts festgenommenIn Iran sind nach Angaben des Geheimdienstministeriums 30 Menschen wegen des Verdachts der Spionage festgenommen worden. Unter den Festgenommenen sei ein ausländischer Staatsbürger, der „im Auftrag von zwei Golfstaaten“ im Namen der USA und Israels spioniert habe, hieß es in einer am Dienstag auf der Website der iranischen Justiz, Misan Online, veröffentlichten Erklärung des Ministeriums. Die Nationalität des Festgenommenen wurde nicht genannt.Der Festgenommene werde beschuldigt, „Informationen über den Standort und die Bewegungen der Polizei und Streitkräfte an den Feind“ übermittelt zu haben, erklärte das Ministerium. Der Verdächtige war demnach im Nordosten des Irans festgenommen worden. Der Zeitpunkt der Festnahme wurde nicht genannt.Seit Beginn des Iran-Kriegs, der am 28. Februar durch US-israelische Luftangriffe ausgelöst worden war, ruft die iranische Führung die Bevölkerung regelmäßig auf, wachsam zu sein und jedes verdächtige Verhalten zu melden.